Presseinformation

30.01.2008

Neue Aussichten für ein altes Fenster

Am 30. Januar 2008 gaben Dr. Dietlind Tiemann, Oberbürgermeisterin der Stadt Brandenburg an der Havel, Claus Friedrich Holtmann, Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes und Vorsitzender des Vorstandes der Ostdeutschen Sparkassenstiftung (OSS), und Dr. Raoul G. Wild, Generalbevollmächtigter der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam (MBS), den Startschuss zur Restaurierung des mittelalterlichen Chorscheitelfensters des St. Pauli-Klosters in Brandenburg an der Havel.

 

Die im Juli 2007 von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Brandenburg gemeinsam mit der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam erfolgte Zusage, jeden von Bürgerinnen und Bürgern, Firmen und Vereinen bis Ostern 2008 gestifteten Euro bis zu einer Gesamtspendenhöhe von 22.000 Euro zu verdoppeln, löste ein beeindruckendes Bürgerengagement und eine überaus große Spendenbereitschaft aus. Auf das bei der MBS eingerichtete Konto gingen im Laufe der Spendenaktion unter dem Motto “Aus 1 mach 2” über 70 private Einzelspenden zwischen 10 und 1.000 EUR ein.

 


Die mittelalterlichen  Glasmalereien konnten am 30.01.2008 im Beisein der Vertreter der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, der Mittelbrandenburgischen Sparkasse und der Stadt Brandenburg an der Havel ihren Weg in die Restaurierungswerkstatt der Glasrestauratorin Ilona Berkei in Zeuthen (Landkreis Dahme-Spreewald, Brandenburg) antreten, um dort für den Wiedereinbau im Chorscheitelfenster der Klosterkirche St. Pauli restauriert zu werden.

 

Dr. Dietlind Tiemann: „Die große Resonanz auf unseren Aufruf ist in meinen Augen ein weiterer Beweis für das deutlich gewachsene Interesse der Brandenburgerinnen und Brandenburger an der über 1.000-jährigen Geschichte ihrer Heimatstadt und der Bewahrung der zahlreichen wertvollen Baudenkmäler und Kunstschätze, die es in der historischen ‚Chur- und Hauptstadt der Mark Brandenburg’ gibt. Ich danke von Herzen allen Spendern und insbesondere der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der MBS, die mit dieser großartigen Aktion erneut ihr nachhaltiges Engagement für unsere Stadt bewiesen haben.“

 

Claus Friedrich Holtmann (OSS): „Der erfolgreiche Abschluss unserer Spendenaktion zugunsten des berühmten Chorscheitelfensters wäre ohne die Nähe unserer Sparkassenorganisation und der MBS zu den Menschen vor Ort nicht möglich gewesen. Die Tatsache, dass die Aktion schon zwei Monate vor dem Zieldatum Ostern abgeschlossen werden konnte, zeigt, welchen Nerv wir mit dieser Aktion getroffen haben.“

 

Dr. Raoul G. Wild (MBS): „Der Erfolg dieser Spendenaktion zeigt, was Bürgerengagement alles bewegen kann. Eine solche tiefe Verbundenheit der Brandenburger mit ihrer Stadt und ihren Kulturschätzen erfüllt auch die MBS als Mitinitiator der Spendenaktion mit großem Stolz und Dankbarkeit."

 

Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung ist ein Gemeinschaftswerk aller Sparkassen Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns, Sachsens und Sachsen-Anhalts. Seit Ihrer Errichtung im Jahre 1996 hat die Stiftung mit den Sparkassen vor Ort mehr als 1.150 Projekte mit einer Gesamtfördersumme von rund 29,5 Millionen Euro unterstützt. Davon wurde allein im Land Brandenburg für 295 Projekte eine Gesamtbewilligungssumme von 6,72 Millionen Euro bereitgestellt. Die für die Projekte erforderlichen Finanzmittel werden aus Erträgen des Stiftungsvermögens, dem überörtlichen Zweckertrag der Sparkassenlotterie „PS-Lotterie-Sparen" und den projektbezogenen Zusatzspenden der Sparkassen aufgebracht.

 

Pressekontakt:

 

Informationen zum Chorscheitelfenster von St. Pauli

Das 1286 gestiftete Dominikanerkloster St. Pauli gehört trotz kriegsbedingter Teilzerstörung auch heute noch zu den bedeutendsten Vertretern der Backsteingotik im Land Brandenburg. Die erhaltenen Glasmalereien des Chorscheitelfensters datieren um 1330.

 

Die erzählende Handlung der Glasmalerei zeigt in der Mittelbahn von unten nach oben die Geschichte Jesu von der Geburt bis zur Himmelfahrt. Den acht neutestamentliche Szenen der Mittelbahn sind seitlich je sieben erklärende alttestamentliche Darstellungen zugeordnet. Somit folgt die Glasmalerei dem typologischen Verglasungsprogramm nach dem Schema der Armenbibel: Allen, die des Lesens und Schreibens unkundig waren, wird hier die Zusammengehörigkeit des Alten und Neuen Testaments  bildlich erklärt.

 

Die Glasmalereien der Kirche des St. Pauli-Klosters sind nicht nur von herausragender historischer, sondern auch kunsthistorischer Bedeutung. Sie zählen zu den ältesten im Land; das Typologiefenster zu den am besten erhaltenen in den neuen Bundesländern.

 

Die Ausstattung von St. Pauli wurde 1945, als die Kirche und das Kloster bis auf ihre Umfassungswände nieder brannten, fast vollständig zerstört. Die Glasmalereien jedoch waren im Rahmen des Luftschutzprogramms zur Sicherung nationaler Kulturgüter bereits 1942 ausgebaut und in den Kellern von St. Gotthardt in Sicherheit gebracht worden. Hier lagerten sie fast 30 Jahre bis das Fenster vorübergehend im Chor von St. Katharinen eingebaut wurde.

 

Nach Zustimmung des Gemeindekirchenrates der Katharinengemeinde, das Chorscheitelfensters an seinen ursprünglichen Standort in die Kirche des St. Pauli-Klosters zurückzuführen, erfolgte 2006 der Ausbau des Fensters. Hierbei wurde der unerwartet hohe Restaurierungsbedarf deutlich. Sowohl die mittelalterlichen Malereien, als auch die Ergänzungen des 19. Jahrhunderts sind stark in Mitleidenschaft gezogen.

 

Denkmalpflegerisches Ziel ist es, bei der Restaurierung soviel wie nötig und so wenig wie möglich zu tun, um die Originalbestände dauerhaft und möglichst unverfremdet zu erhalten und dem Kirchenraum mit diesem außerordentlich bedeutenden Ausstattungsstück einen Teil seines authentischen Aussehens zurück zugeben.

 

Kontakt:

 

Stadt Brandenburg an der Havel
Fachbereich Stadtentwicklung und Bauwesen, Fachgruppe Denkmalschutz
Fachgruppenleiterin Katrin Witt
Tel.: 03381 – 58 63 31, Fax: 03381 – 58 63 04, E-Mail: katrin.witt(at)stadt-brandenburg.de